Philosophie/Geschichte

Karate (deutsch: „leere Hand“ oder „Chinahand“) ist eine Kampfkunst, deren Geschichte sich bis ins Okinawa des 19.Jhs. zurückverfolgen lässt, wo einheimische Traditionen mit chinesischen und japanischen Einflüssen verschmolzen.  Gichin Funakoshi, ein Schüler der Meister Itosu und Asato, machte sich um die Weiterentwicklung des Karate besonders verdient. Auf der Grundlage des Okinawa Shorin – Ryu und des Naha – Te begann er Karate mit entschärften Techniken zu systematisieren und damit ein weitgehend verletzungsfreies Training möglich zu machen. Er verstand die Kampfkunst Karate neben der rein körperlichen Betätigung und Ertüchtigung auch als Medium zur Charakterbildung. Er lehrte sein System im japanischen Kodokan. Von hier aus fand es schnelle Verbreitung und Anerkennung und wurde schließlich Bestandteil der Lehrprogramme von Schulen und Universitäten in Japan. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde in Japan im Jahre 1957 von M. Nakayama das Shotokan -System (Shoto, Künstlername von G.Funakoshi), und damit die Japan Karate Association – JKA – als international agierende Karateorganisation gegründet. Im Laufe der 60er Jahre verbreitete sich Karate in den USA und Europa.

Shotokan ist der am weitesten verbreitete Karatestil, gefolgt von Goju-Ryu.

Das japanische Karate teilt sich in 4 große Stilrichtungen: Goju-Ryu, Shotokan, Shito-Ryu und Wado-Ryu. Ebenfalls weit verbreitet sind die Okinawa – Stile Shorei-Ryu und Shorin-Ryu.

Inhaltlich wird Karate als ein effizientes Verteidigungssystem mit Abwehr – und Blocktechniken, sowie Konteraktionen von Schlag- , Stoß- und Tritttechniken charakterisiert. Karatedo  (japanisch: „Weg der leeren Hand“) wird als waffenlose Kampfkunst und als Verteidigungssystem gepflegt, was  das Üben und den Einsatz von Angriffstechniken zum Zweck der Selbstverteidigung nicht ausschließt. Die Bezeichnung „Karate – Do“ bezeichnet und unterstreicht den traditionellen Weg, japanisch „Do“, und damit den philosophischen Hintergrund des „Budo“, das elitäre „Bushido“, die Bedeutung als Lebensweg.

Karate hat als Budo-Disziplin einen spirituellen Kern aus weltanschaulichen Elementen des Zen. Diese dienen zwar dazu, die Systeme und Hintergründe des Budo zu erklären, bilden aber nicht die Basis der japanischen Kampfkünste.

Zum besseren Verständnis des spirituellen Wesens des Karate kann u.a. aber das Studium des Zen oder der Meditation geeignet sein. Die Wiederholung der Bewegungen in Kihon (jap. „Grundschule“) und Kata (jap. „ Form“) wird von manchen Meistern als eine solche Zen-Meditation betrachtet. Das „Ki“, also die innere Energie des Körpers, das Bewusstsein, das sich bspw. im Koordinations- und Reaktionsvermögen äußert, sollen durch körperlich anstrengende, konzentrierte und dynamische Bewegungen gestärkt werden.

DO

Das Prinzip des Do findet sich in allen japanischen Kampfkünsten wieder. Do bedeutet wörtlich „Weg“ und steht nicht nur für „Weg“ oder „Straße“ im engeren Sinn, sondern auch für das Verständnis und das stete Fortschreiten und Lernen.

Dahinter stehen einerseits das schicksalhafte Prinzip, dass der Weg vorgezeichnet ist und die Dinge vorbestimmt, sowie die Einstellung des Nichtanhaftens und der Unabhängigkeit von allen Dingen, Gegebenheiten und Bedürfnissen, die im Zen-Buddhismus gelehrt wird.

Der Kodex des Bushido geht noch weiter: der bushi (jap. „Krieger“), welcher Bushido verinnerlicht hat, befreit sich damit nicht nur von allen materiellen Bedürfnissen, sondern vom Begehren um jeden Preis.

Das Training des Geistes, des Charakters und der inneren Einstellung sind Hauptziele im Karate.“ Oberstes Ziel ist weder Sieg noch Niederlage, sondern die Vervollkommnung des Charakters des Ausübenden“.

Damit ist nicht nur das Training oder der Wettkampf gemeint, da  ernsthafte  Angriffs – Simulationen zu allen Budo-Künsten gehören. Der Satz verdeutlicht vielmehr den Kodex des Karate-Do im täglichen Leben. Gemeint ist, dass sich der Karateka zu einer friedlichen Persönlichkeit entwickeln und Streit vermeiden soll. Ein Karateka vollzieht also bildlich gesprochen niemals den ersten Schlag, was ebenso jegliche Provokation anderer ausschließt. Er wird vielmehr bemüht sein, sich in Selbstbeherrschung und Selbstkontrolle zu üben und zu vervollkommnen.

Budofreunden in der ganzen Welt ist es Inspiration, die Werte, die japanische Philosophie und Religion, sowie die japanischen Budo- Kampfkunst- und Verteidigungssysteme, welche von japanischen Meistern an zahllose Schüler zur perönlichen Entwicklung weitergegeben werden, als eine sportliche, lebensbegleitende Maßnahme zu verstehen und ihnen mit Respekt und Verständnis nahe zu kommen.